Barnimer Chirurgiemechanik-Unternehmen repariert OP-Instrumente für Kliniken bundesweit - und gewinnt den Zukunftspreis.
Wandlitz (MOZ) Arno Schnorrenberg lebt vom Verschleiß. Wann immer in einem der 400 großen deutschen Krankenhäuser eine Operationsschere stumpf, ein Knochenbohrer lahm oder ein Endoskop-Laser trübe geworden ist, landet das Gerät in den Werkstätten seines Unternehmens, der Schnorrenberg Chirurgiemechanik GmbH. Der Schönwalder Betrieb ist mit 140 Mitarbeitern und Umsätzen im zweistelligen Millionenbereich heute einer der großen Anbieter auf dem Markt.Operation mit Hammer und Sichel
Eine Brandenburger Erfolgsgeschichte, die trotz zeitweise widriger Umstände geschrieben werden konnte. Sie beginnt 1984 in Ost-Berlin.
Arno Schnorrenberg hatte gerade sein Diplom in Thermodynamik in der Tasche, da zog es ihn zurück zu seinen Wurzeln. 1984, nach Ausbildung zum Chirurgiemechaniker, einer zweiten zum Kältetechniker und einem Fernstudium der Thermodynamik, gründete der damals 37-Jährige in Berlin-Weißensee einen kleinen Handwerksbetrieb für Chirurgiemechanik. „Leicht war das nicht“, sagt Schnorrenberg, „ich musste abends und an den Wochenenden an meiner Ausbildungsstelle arbeiten, um nachweisen zu können, dass ich die nötige Berufserfahrung mitbringe.“ 1990 dann, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, gründete Schnorrenberg zusammen mit einem Partner aus West-Deutschland die Schnorrenberg Chirurgiemechanik GmbH. Gerade mal vier Angestellte hatte das Unternehmen damals. Und arg zu kämpfen mit allerlei Vorurteilen.
„Als wir das erste Mal in West-Deutschland auf Akquise waren, fragte uns ein Kunde, ob wir überhaupt OP-Instrumente hatten im Osten“, erzählt Arno Schnorrenberg. „Nein, hat mein Außendienstmitarbeiter da gesagt, wir haben mit Hammer und Sichel operiert.“ Besser hätte man darauf gar nicht antworten können.
Diese Zeiten sind vorbei. Das Unternehmen repariert heute, nach dem Umzug nach Schönwalde (Barnim), OP-Besteck und -Apparate bundesweit für mehr als 400 Krankenhäuser und Unikliniken; in einem Monat werden bis zu 15 000 Instrumente instandgesetzt. 90 Prozent der Teile können repariert oder gewartet werden. Eine sehr gute Quote: Die wenigen Konkurrenten – überwiegend sind es die Hersteller selbst – schaffen maximal 40 Prozent. „Und sie sind erheblich teurer“, sagt Arno Schnorrenberg. „So leben wir ganz gut davon, dass die Krankenhäuser sparen müssen.“
Flexibilität als Ass im Ärmel
Die Schnorrenberg GmbH hat sich auf Instrumente für die „Minimal Invasive Chirurgie“ spezialisiert. Die Geräte mit den millimetergroßen Messern, den winzigen Greifern und Mini-Kameras sind sehr teuer; viel Erfahrung und handwerkliches Geschick braucht es für die Reparaturen.
Die größte Herausforderung sei heute aber weniger das Reparieren, sondern vor allem die Logistik, sagt Bernhard Holz, zweiter Geschäftsführer des Unternehmens. Wegen knapper Kassen schafften die Krankenhäuser weniger der teuren Ersatzinstrumente, Knochenbohrer oder optischen Systemen an. „Für uns bedeutet das deshalb immer öfter: Gerät abholen, reparieren und binnen 48 Stunden wieder zurückbringen.“ Geklappt habe das trotz der „engen Zeitfenster“ aber bislang immer. „Wir sind flexibel“, sagt Holz. „Wenn alle Stricke reißen und der Kurier im Graben liegt, nehmen wir halt ein Taxi.“
Trotz der enormen Erfolge der vergangenen Jahre ist Arno Schnorrenberg auf den Standort Brandenburg aber nicht immer gut zu sprechen. „Manche Behörden treiben hier die reinste Investitionsverhinderung“, sagt er. Ein halbes Jahr habe man beispielsweise für den Anbau auf dem Fabrikgelände auf ein „Ja“ der Eberswalder Baubehörde gewartet. „Ein halbes Jahr, in dem wir deshalb kein zusätzliches Personal neu einstellen konnten.“ Wegen solcher Hindernisse würde Arno Schnorrenberg aber auf keinen Fall sein Unternehmen ins Ausland verlagern. „So gut ausgebildete Leute wie hier finden Sie nirgends“, sagt der 59-Jährige
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Bringen die OP-Geräte zur Not auch mit dem Taxi: Firmenchef Arno Schnorrenberg, der Leiter für mikrochirurgische Instrumente, Torsten Maszynski sowie der zweite Geschäftsführer Bernhard Holz (v.l.n.r.) mit einer Chirurgenklemme. Foto: GMD/Sergej Scheibe
Tobias Kurfer

