M. Prust und I. Bärisch. Foto: W. Döll
Mit Regionalliteratur sowie Büchern über Kunst und Kultur hat sich der kleine Verlag einen guten Ruf erworben.
Margot Prust und Inge Bärisch hätten keinen besseren Standort für ihren Findling Verlag finden können als Kunersdorf. Es scheint, als hätte der geschichtsträchtige Ort am Rand des Oderbruchs lange auf zwei ältere Damen mit diesem kulturellen Anspruch gewartet. Einst verwandelten die Frau von Friedland, die Gebrüder Humboldt, die Bildhauer Schadow und Rauch sowie andere Denker und Dichter Kunersdorf zum Weimar der Mark. „Wir haben die runter gewirtschaftete Dependance des ehemaligen Schlosses von Kunersdorf erworben und sie in einen Musenhof verwandelt“, erzählt Inge Bärisch.Mit viel Kraft und Liebe zum Detail haben die beiden Frauen das große alte Haus saniert. Ihre Wohnungen, die Verlagsräume, eine Bibliothek und ein Kaminzimmer fanden darin Platz. „Wir nutzen die Räume für Lesungen und andere kleine kulturelle Veranstaltungen, aber auch für unsere Dauerausstellung über die Frauen von Friedland“, sagt Margot Prust. Schon in ihrem ersten Jahr in Kunersdorf empfingen die rührigen Damen bei zehn Veranstaltungen mehr als 2000 Gäste.
Kultur hat es schwer
„Die Kultur ist ein heißes Eisen geworden“, klagt Margot Prust. „Sie rechnet sich nicht, trägt sich nicht und ist deshalb aus der Sicht vieler Politiker nicht unbedingt lebensnotwendig, bestenfalls vielleicht noch eine lästige Pflichtaufgabe“, ärgert sich die Verlagsinhaberin. „Nur mit viel Idealismus haben wir unserem Musenhof Leben eingehaucht“, ergänzt ihre Partnerin Inge Bärisch. Viele Berliner und Städter aus dem umliegenden Orten danken es ihnen und kommen zu den Lesungen, Filmvorführungen und Ausstellungen in den Musenhof. „Die Dörfler beobachten uns noch etwas abwartend“, sagt sie augenzwinkernd.
Der Musenhof aber wird auch weiterhin das schöne Hobby der beiden Verlegerinnen bleiben. „Unsere Schwerpunkt ist ganz klar der Findling Verlag“, sagt Margot Prust sehr resolut. Den haben die beiden Frauen vor zehn Jahren in Neuenhagen bei Berling gegründet. Vor zwei Jahren sind sie dann mit ihrem Verlag nach Kunersdorf umgezogen. Regionalliteratur, belletristische Sachbücher, Reise- und Touristenführer sowie Bücher über Kunst und Kultur geben die Frauen heraus. Sie empfinden ihre Tätigkeit nicht als Beruf, sondern als Berufung. „Ein Verleger muss das richtige Gefühl und das richtige Gespür für den Lesestoff haben, muss ahnen, was vom Leser angenommen wird“, erklärt Margot Prust.
Gespür der Leser getroffen
Bislang lagen die beiden Frauen mit ihren Ahnungen richtig. Mehr als 60 Bücher haben sie schon verlegt. Sie arbeiten mit Stammautoren zusammen, suchen sich für Wunschthemen und besondere Projekte aber auch selbst geeignete Partner. Bekannt werden die Bücher des Findling Verlags über Zeitungsartikel, Lesungen in Buchläden und durch Buchmessen. „Wir sind regelmäßig in Leipzig zu Gast und stellen dort unsere Bücher vor“, erzählt Inge Bärisch.
Sie und ihre Partnerin bewältigen die ganze Arbeit des Verlags allein. Es ist aber immer eine Gratwanderung am Rand des Möglichen. Die beiden Frauen würden gern zwei Mitarbeiter einstellen. „Aber dafür wirft das Geschäft mit guten Büchern nicht genug Geld ab“, sagt Margot Prust. Der kleine Verlag stand noch nie in den roten Zahlen und das soll auch künftig so bleiben. „Große Firmen erhalten viel Fördergeld für Investitionen und neue Arbeitsplätze, kleine Unternehmen wie wir erhalten solche Hilfe leider nicht“, bedauert die Verlegerin.
Jubiläumspläne
In diesem Jahr begeht der Findling Verlag sein zehnjähriges Bestehen. Zu den Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr wird unter anderem ein Buch mit Gedichten des bekannten ostdeutschen Naturschützers Kurt Kretschmann gehören. Schon jetzt sind auch überarbeitete Nachauflagen der Stadtgeschichte von Altlandsberg und des Reiseführers für das Oderbruch geplant. Außerdem möchten die beiden Damen ihre Suche nach geeigneten Nachfolgern fortsetzen. Erste Gespräche mit Interessenten hat es schon gegeben. „Aber erst wenn die mit Erfolg zu Ende geführt sind, wird der Musenhof hier in Kunersdorf das Hauptfeld unserer Betätigungen sein“, sagt Margot Prust.
I. Bärisch und M. Prust am Büchertisch des Verlags. Foto: W. Döll
Wilko Döll

