Die IHK Frankfurt (Oder) bietet einen neuen Service an. Ein Mediator vermittelt zwischen streitenden Parteien und macht so den Weg zum Gericht überflüssig.
Joachim Mai strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Der Mann mit den fast weißen Haaren wird auch in kniffligen Situationen nicht gleich nervös. Er ist wie geschaffen für einem Mediator und trotzdem hat sich der Leiter der Stabsstelle der IHK Frankfurt (Oder) noch mal für 200 Stunden auf die Schulbank gesetzt. „Die Europauniversität und die Stadt Frankfurt haben gemeinsam eine Fortbildung zur Mediation angeboten und die habe ich erfolgreich abgeschlossen.“ Jetzt kann er IHK-Mitgliedsunternehmen bei der Schlichtung von Streitfällen helfen.„Die Mediation ist eine außergerichtliche Klärung von strittigen Problemen“, erklärt Joachim Mai. Sie ist viel billiger und auch viel schneller als der Weg durch die gerichtlichen Instanzen. „Diese Methode funktioniert aber nur, wenn die streitenden Parteien dazu auch bereit sind.“ So können verschiedene Problemfälle zwischen Unternehmen selbst oder auch zwischen Unternehmen und deren Nachbarn sowie zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern gelöst werden. Das können beispielsweise unterschiedliche Auffassungen zur Ausführung von Aufträgen oder auch nachbarschaftliche Auseinandersetzungen zu Lärmbelästigungen sein. In seinem ersten Mediationsfall schlichtete Joachim Mai einen Streit über die Ausführung eines Bauauftrages.
Schlichtung erfolgt in fünf Phasen
Die Schlichtung von Streitfällen erfolgt in fünf Phasen. „Zuerst erkläre ich den streitenden Parteien das Verfahren der Mediation und dann werden die Themen des Streitfalls gesammelt“, sagt der Mediator. Dabei werden die Probleme eingegrenzt. Sind die Themen genau erfasst, werden dazu die unterschiedlichen Interessen der streitenden Parteien dargelegt. „Diese Phase ist ganz wichtig für die Schlichtung, weil die streitenden Parteien bis dato ja kaum noch miteinander gesprochen haben und somit die Argumente und Gründe für die gegensätzlichen Positionen nicht kennen“, erklärt Mai. Anschließend werden Lösungen für das strittige Problem ausgehandelt. Mit einer Vereinbarung über ihre Umsetzung endet dann das Verfahren der Mediation. „In günstigen Fällen ist schon nach einer zweistündigen Sitzung der Streit beigelegt.“
Joachim Mai ist aber nicht der Richter zwischen den Parteien. „Ich bin nur der Vermittler zwischen Leuten, die scheinbar nicht mehr miteinander reden können und somit Lösungsansätze für strittige Fragen gar nicht mehr sehen“, erklärt er bescheiden. „Die Lösungen ergeben sich fast wie von selbst im Gespräch mit den Streithähnen.“ Das aber geht nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Joachim Mai spricht deshalb immer nur mit beiden Parteien gemeinsam, Einzelabsprachen gibt es nicht. Über den Inhalt dieser Gespräche wiederum wird nicht mit einer dritten Seite gesprochen. Außerdem gehört zu seinen Bedingungen, dass jede Partei ihre Sicht des Problems darstellen kann, ohne sofort von der Gegenseite unterbrochen zu werden. „Das ist ganz wichtig, weil das ja in der Streitphase nicht möglich war.“ Der Erfolg der Mediation hängt aber nicht nur von Joachim Mai, sondern vielmehr von den sich streitenden Parteien ab. „Die müssen wirklich an einer Lösung des Problems interessiert sein und dürfen nicht mit der Vorstellung auftreten, ich setze jetzt ganz allein nur meine Ansprüche durch“, sagt der Mediator.
Kontaktaufnahme zum Mediator über IHK
Dieses Angebot der Streitschlichtung ist bei der IHK Frankfurt noch relativ neu. Viele Verfahren hat es noch nicht gegeben. Für die Beteiligten aber hat sich die Mediation schon gelohnt. „Ihre Streitfälle wurden gelöst und die einstigen Streithähne haben nicht lange auf einen Gerichtstermin warten müssen und außerdem auch noch Anwalts- und Gerichtskosten gespart“, erklärt Joachim Mai. Wer in Streitfällen seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann einfach per Telefon zu ihm oder dem Hausjuristen der IHK Stefan Heiden Kontakt aufnehmen. Sie sind unter der Rufnummer 0335 5621 101 oder 0335 5621 276 erreichbar.
Wilko Döll

