14.03.2008
Unternehmen: Aufhören zu jammern

Petzold
Reinhard Petzold begeistert sich für Polen und Rumänien. Foto: K. Krause

Ansprechpartner der Medien: Reinhard Petzold, Geschäftsführer der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft mbH in Frankfurt (Oder), spricht mit den Medien gern zu den Themen Polen und Rumänien.

Herr Petzold, Sie sind Ansprechpartner der Medien zu den Polen und Rumänien. Welche Beziehungen haben Sie zu dem Thema?

Seit der Gründung unserer Deutsch-Polnischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft vor 16 Jahren haben wir über 2300 Beratungsgespräche mit deutschen, polnischen und rumänischen Firmen und Unternehmern geführt. Daraus sind 1700 konkrete Verträge entstanden und es wurden über 125 Deutsch-Polnische Joint Ventures gegründet. Wenn man Unternehmen im Bereich Außenwirtschaft berät und unterstützt, muss man seine Leute vor Ort haben und sich umschauen, reden, Kontakte knüpfen und erkennen, was möglich ist. Deswegen bin ich ständig in Polen und Rumänien unterwegs und wenn nicht, dann telefoniere ich jeden Tag mehrmals mit meinen Leuten vor Ort. Ich habe also einen direkten Draht und bin gut informiert.

Wie gehen Sie in ihrer Arbeit vor?

Als erstes kommen die Unternehmer zu mir. Wir setzen uns in Ruhe hin und "spinnen" ein bisschen rum, was unsere Vorstellungen angeht. Denn um später den oder die richtigen Partner im Ausland zu finden und zu vermitteln, muss ich gut informiert sein und genau wissen: Was macht der Unternehmer, warum will er ins Ausland gehen, was will er im Ausland tun, wie will er dabei vorgehen und aus welchen Beweggründen handelt er? Ist das alles geklärt und sind die Ziele formuliert, setze ich mich mit meinen Mitarbeitern vor Ort in Verbindung und die gehen dann auf die Suche nach geeigneten Unternehmen für eine mögliche Kooperation.

Welches sind die wichtigsten Faktoren in einer erfolgreichen Kooperation?

Offenheit für den anderen, bereit zu sein sich auf etwas Neues einzulassen, die Chancen und Möglichkeiten auch unter schwierigen Umständen sehen und nicht den "Besserwisser" raushängen lassen und so tun als hätte der andere von nichts eine Ahnung.

Wie sieht es mit der Sprache aus?

Viele haben Angst vor der Sprachbarriere, aber das ist Quatsch. Wir haben tolle Dolmetscher, die uns immer begleiten. Die meisten Unternehmer sprechen natürlich Englisch. Viel wichtiger erscheint mit aber, dass man die Mentalität des anderen  versteht und akzeptiert. Kooperation bedeutet ja nicht den anderen zu dominieren, sondern wertzuschätzen und von den jeweiligen Erfahrungen zu profitieren. Nur so kann man im Außenwirtschaftsgeschäft erfolgreich sein.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Möglichkeiten in Polen? Gibt es Branchen, die besonders gut laufen?

Die einfachen Arbeiten wie Tür- und Fensterproduktionen boomten in den 90ern. Stattdessen geht es nun um spezielle Geschäftsfelder wie z.b. Medizintechnik, regenerative Energien und Umwelttechnik. So wie alle Länder Osteuropas, hat auch Polen Nachholbedarf im Dienstleistungssektor. Auch der Baubereich boomt: Autobahnen, Hochhaussanierungen, diese Projekte bestimmen die derzeitige Phase; aber generell ist alles möglich, man kann das nicht auf Branchen eingrenzen. Die meisten Unternehmer schließen die Außenhandelswirtschaft ohne Prüfung des Marktes aus und vergeben sich so gute Chancen. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, das alles möglich ist und nichts von vornherein ohne Prüfung ausgeschlossen werden kann.

Wie beurteilen Sie die Lage in Rumänien? Ist sie vergleichbar mit der Polens vor ein paar Jahren?

Da wir die polnische Entwicklung nach der Wende bis hin zum Eintritt in die EU und jetzt zum Schengener Raum intensiv beobachtet und während dieser Zeit im Land aktiv waren, können wir auf diese Erfahrungswerte in der Beurteilung Rumäniens zurückgreifen. Rumänien steht gerade da, wo Polen 2003, 2004 stand, und das ist wirklich erstaunlich. Die meisten Unternehmer, die wir begleiten, sind positiv geschockt über die Sauberkeit, Freundlichkeit und Sicherheit vor Ort, die in manchen Teilen sogar die in Deutschland übertrifft. Die meisten Leute denken doch bei Rumänien an rückständige Städte voller Armut und an Kinder die im Müll spielen, oder nur an Dracula.

Woher kommt diese falsche Wahrnehmung?

Die Medien suggerieren ein Bild von Rumänien, das sehr einseitig ist und so nicht der Wahrheit entspricht. Die Negativbilder und falschen Informationen schrecken die Leute ab. Dabei gibt es jetzt so viele Möglichkeiten. Wir fordern die Unternehmer auf, sich das Land erst einmal anzuschauen, bevor sie urteilen. Auch arbeiten wir intensiv mit den Medien, betreiben Aufklärungsarbeit, informieren und hoffen auf einen langsamen Wechsel in der öffentlichen Wahrnehmung.

Was funktioniert im Bereich Außenwirtschaft gar nicht?

Wenn man in Deutschland als Unternehmen nicht stabil ist und das Außenhandelsgeschäft als Ausflucht sieht, dann rate ich auf jeden Fall ab. Ansonsten gilt die Devise: Nur Mut, einmal über den Tellerrand zu schauen! Mittlerweile betreuen wir auch Geschäfte zwischen Polen, Deutschland und Rumänien. Vorurteile, man produziere in Billigländern und entziehe sich so der Verantwortung für die eigene Wirtschaft, sind vollkommen ungerechtfertigt. Wer erfolgreich im Außenwirtschaftsbereich ist, stärkt schließlich auch seine innere Struktur.

Was würden Sie sich von Personen in der Grenzregion wünschen?

Dass sie einmal weiter rein nach Polen fahren und sich umschauen. Die meisten denken doch, es zeugt schon von internationalen Wirtschaftsbeziehungen, wenn man dort tankt oder Zigaretten kauft. Doch "Polen" beginnt eigentlich erst 100 Kilometer hinter der Grenze. Wir müssen unsere Überheblichkeit ablegen und die Chancen, die uns unsere geografische Sonderstellung als Grenzregion bietet, nutzen.

Woher nehmen Sie Ihren Enthusiasmus?

Unterwegs lernt man so einiges. In Rumnänien geht es vielen wirklich schlechter, wirtschaftlich und materiell aber die haben noch Feuer, begeistern sich und wollen vorankommen, während wir hier in Deutschland ständig nur am Jammern sind. Ich wünsche mir, dass die Deutschen auch mal zeigen, wenn es Ihnen gut geht und sich mehr begeistern für das, was sie erreicht und erarbeitet haben. Mir macht mein Job Spaß, und das zeige ich eben auch!

Grafik Unternehmerpool
Grafik: Waldi Weiz.

alt Kristina Krause

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