Stefan Zierke, Geschäftsführer TMU Foto: W. Döll
Rund 700.000 Gäste wurden im vergangenen Jahr zwischen Prenzlau und Angermünde gezählt. Die Region ist damit nach dem Landkreis Dahme-Spreewald das beliebteste Reiseziel im Land.
Wenn Stefan Zierke reif für einen Kurzurlaub ist, fährt er mit seiner Familie nach Thomsdorf an den Dreetzsee. Auf dem Campingplatz kurz vor der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern findet er alles, was seine Familie zur Entspannung benötigt. „Dort können wir Radfahren, Wandern, Skaten oder mit dem Kanu die Stille auf dem Wasser genießen. Thomsdorf bietet beispielhaft und konzentriert alle Reize der Uckermark“, sagt der 36-Jährige. Er muss es wissen, denn er ist der Geschäftsführer der Tourismus Marketing Uckermark GmbH in Prenzlau.„Die herrliche Natur und die phantastische Landschaft sind der Vorteil unserer Region“, schwärmt der Tourismusexperte. Die meisten Übernachtungsgäste kommen genau deshalb in die Uckermark, hat eine Befragung der Besucher ergeben. Im Schnitt verbringt jeder Gast rund 3,2 Tage im Nordosten des Landes. Die Verweildauer liegt damit über dem Landesdurchschnitt. Rund 687.000 Übernachtungsgäste gingen bis Ende Oktober 2006 in die Landesstatistik ein. Nur der Landkreis Dahme-Spreewald hatte im gleichen Zeitraum mehr Besucher. Stefan Zierke hält von dieser Zahl trotzdem nicht viel. „Darin sind nur die Besucher der Herbergen mit mehr als zwölf Plätzen erfasst, aber nicht die kleinen Pensionen und Ferienwohnungen und gerade die waren im vergangenen Jahr gut ausgelastet.“
Touristen bringen Geld in die Uckermark
In den Ferien kommen viele Familien in die Uckermark, in der Vor- und Nachsaison suchen überwiegend über 50-Jährige Erholung und Entspannung dort. Der Tourismus hat sich inzwischen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Region entwickelt. Er sichert Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region und bringt Geld ins Land. „Immerhin gibt jeder Übernachtungsgast bei uns pro Tag über 46 Euro aus“, rechnet Zierke vor. Tagesgäste lassen mindestens 32 Euro in der Uckermark. Die Region könnte aber noch mehr vom Tourismus profitieren, wenn sie ihre Reserven besser nutzen würde.
„Wir müssen einfach noch bekannter werden“, sagt Stefan Zierke. „Viele Leute denken noch immer, nördlich von Berlin gibt es nur flaches, langweiliges Land. Wenn die dann aber hier sind, bekommen sie große Augen und empfehlen unsere Region anschließend weiter.“ Die Region ist wie geschaffen für den naturliebenden Urlauber. In der zauberhaften Landschaft mit ihren sanften Hügeln, den stillen Wäldern und den vielen Seen und Wasserläufen kommt jeder aktive Naturfreund auf seine Kosten. Für die Wasserwanderer stehen 260 Kilometer lange Routen zur Verfügung, Radwanderer können zwischen regionalen und internationalen Radwegen mit einer Gesamtlänge von 1200 Kilometern wählen und den Reitern werden fast 1000 Kilometer Wege angeboten. Die Auswahl ist riesig, aber nicht jedem Gast bekannt.
Neue Wege in der Vermarktung gehen
Die Tourismus Marketing Uckermark Gesellschaft schlägt deshalb einen neuen Informationsweg ein. „Natürlich benötigen wir gute Flyer, Infobroschüren und Gästeverzeichnisse, wir wollen aber mehr und mehr auch das Internet für uns nutzen, weil sich gerade Naturfreunde dort vor der Auswahl ihres Erholungsortes umfassend informieren“, erklärt der Geschäftsführer. Preiswert und schnell können so Anbieter und Nutzer in Kontakt kommen. Unter der Anschrift www.naturreich.de soll die Uckermark künftig noch besser vermarktet werden. „Unser Ziel ist es, dass der Gast sich dort informiert und in einem Angebotskatalog Unterkünfte und Aktivitäten, wie geführte Wanderungen, Theater- oder Thermenbesuche, findet.“ Die kann dann jeder Gast zu seinem ganz persönlichen Urlaubspaket zusammenpacken. „Der Gast muss sich dann nicht mehr selbst um jeder Einzelheit kümmern, das machen wir. Er kommt zu uns, findet sein Quartier und das für die Wasserwanderung georderte Boot liegt auch schon am Ufer bereit.“
Stefan Zierke hofft, dass möglichst viele touristische Anbieter der Region sich an dieser vernetzten Vermarktung beteiligen. Gemeinsam könnten so auch noch einige Reserven im uckermärkischen Fremdenverkehr genutzt werden. Einige Landwirte haben beispielsweise die Möglichkeiten des Tourismus noch nicht erkannt. „Mit kleinen Streichelzoos und Hofläden könnten sie sich mindestens in den Ferien eine zusätzliche Einnahmequelle aufbauen, denn die Besucher wollen hier auch regionale Produkte kaufen und genießen.“
Sanfte Hügel und stille Seen in der Uckermark Foto: W. Döll
Wilko Döll

