18.04.2008
Unternehmen: Gedruckte Schätze aus der Uckermark

Schibri-Verlag, Matthias Schilling
Einige der im Schibri-Verlag erschienenen Bücher bewahrt Matthias Schilling in einer Schatzkiste auf.  Foto: S. Hölscher

In diesem Jahr wird der Schibri-Verlag aus Milow seinen 300. Titel herausgeben.

Sie ist zwölf Jahre alt, geht zur Schule – und hat bereits ein Buch geschrieben. Ihr Name: Eva Poppe. Sie war die jüngste Autorin auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Ihr Verlag: der Schibri-Verlag aus dem brandenburgischen Milow. „Eigentlich sind wir als Verlag auf wissenschaftliche Titel und regionale Literatur spezialisiert – Kinderbücher gehörten bisher nicht zu unserem Programm“, erzählt Matthias Schilling, Inhaber und Geschäftsführer des Verlags.

Aber wie es der Zufall will, gehört nun auch ein Kinderbuch zum Sortiment des Verlags – nämlich Eva Poppes Büchlein „Träum gut“. Alles begann mit einem Brief an Matthias Schilling. Die Zwölfjährige bat darin um die Veröffentlichung ihrer vier Gute-Nacht-Geschichten. Schilling las den Brief und da Weihnachten kurz vor der Tür stand, wollte er dem Mädchen aus Schwerin eine Freude machen. „Ich habe ein Exemplar von dem Buch drucken lassen – damit Eva ihr Werk in gebundener Form in den Händen halten kann“, erinnert er sich.

Auftritt bei Stefan Raab

Aber bei diesem einen Exemplar blieb es nicht. Eva Poppe las ihre Geschichten in einem Schweriner Kaufhaus vor. In einem NDR-Interview wurde sie dann gefragt, wann ihr Buch im Buchhandel erscheine. Ihre Antwort: im Februar 2008. „Da es Interesse an dem Buch gab, haben wir uns entschieden, es in einer Auflage von 1000 Exemplaren zu drucken“, berichtet Matthias Schilling. Und tatsächlich – im Februar 2008 war es so weit.

Auch der Wunsch der jungen Autorin, ihr Erstlingswerk im März auf der Leipziger Buchmesse vorzustellen, ging in Erfüllung. Als jüngste Autorin auf der Leipziger Buchmesse las Eva Poppe – die auch die jüngste Autorin Mecklenburg-Vorpommerns ist – aus ihrem frisch gedruckten Buch vor. Das Medieninteresse an der Zwölfjährigen war groß, es folgte sogar ein Auftritt in Stefan Raabs Sendung „TV total“. Den Verkaufszahlen von „Träum gut“ hat der Medienrummel um die Jungautorin gut getan – mehr als 500 Exemplare sind bereits über die Ladentische gegangen. „Das ist eine gute Quote“, sagt Schilling.

Wissenschaftliche Literatur zu kleinen Preisen

„Kinderbücher werden aber eine Ausnahme in unserem Verlagsprogramm bleiben“, unterstreicht der Geschäftsführer. Denn die Entstehungsgeschichte des kleinen Verlags mit Hauptsitz im uckermärkischen Milow sowie seinen zwei Geschäftsstellen in Berlin und Strasburg ist eine ganz andere: Matthias Schilling hat an der Technischen Universität Berlin Geographie und Geschichte studiert – dort machte er die Erfahrung, dass viele wissenschaftliche Arbeiten mit Potenzial in der Schublade verstauben, weil kein Verlag sie publizieren will. Genau da sah Matthias Schilling einen Markt: Ein Verlag, der wissenschaftliche Literatur in niedrigen Auflagen veröffentlicht – und das zu studentenfreundlichen Preisen. „Kein Buch bei uns kostet mehr als 35 Euro“, berichtet Matthias Schilling.

Die Verlagsidee war geboren, die Gründung erfolgte 1991 – inzwischen beschäftigt Schilling zehn Mitarbeiter.  „Das erste Buch war von Lutz von Werder zum Thema kreatives Schreiben“, erinnert sich Schilling an die Anfänge. Lutz von Werder ist auch nach 17 Jahren noch Autor des Schibri-Verlags. Auf der Leipziger Buchmesse präsentierte er sein Buch „Wie finde ich meine eigene Religion?“.

Ein Standbein des Verlags ist wissenschaftliche Literatur, dazu zählen Bücher aus den Bereichen Theaterpädagogik, Philosophie, Medizin, Lebenshilfe sowie Wissenschaftsbiografien. „Wir veröffentlichen auch Dissertationen, besonders viele sind es im Fach Theaterpädagogik“, erzählt Schilling. Das liege daran, dass der Verlag die „Zeitschrift für Theaterpädagogik“ herausgebe und deshalb einen hohen Bekanntheitsgrad in diesem Fachbereich habe.

Die Ideen für neue Bücher gehen nicht aus

Neben der wissenschaftlichen ist regionale Literatur ein weiteres Standbein des Brandenburger Verlags: Angefangen bei einem Bildband über die Dorfkirchen der Uckermark über den Templiner Heimatkalender bis hin zu Büchern in uckermärkischem Platt – das Spektrum der Titel ist breit gefächert. „Demnächst ist unter anderem ein plattdeutscher historischer Roman über die Region geplant“, erzählt Schilling. Eine ausgewogene Mischung aus regionaler und überregionaler Tätigkeit sei ihm wichtig.

Ein weiteres Projekt des Geschäftsführers: Der Verlag hat Autoren des Landkreises Uecker-Randow aufgerufen, ihre Texte und Geschichten an den Verlag zu schicken – 60 Autoren haben sich gemeldet. Das Ergebnis ist das Buch „LiteratUER“, ein facettenreiches Buch, in dem all diese Texte veröffentlicht sind – ein bunter Strauß Geschichten von Jung und Alt. Über den großen Zuspruch der Autoren freut sich Matthias Schilling. Deshalb möchte er mit uckermärkischen Autoren ein ähnliches Projekt realisieren. „Autoren- und Schreibförderung ist etwas, was mir wichtig ist“, betont der Matthias Schilling.

In diesem Jahr wird der 300. Titel im Schibri-Verlag erscheinen, knapp 20 Neuerscheinungen jährlich waren es seit der Gründung 1991. Eine stolze Zahl – eine uckermärkische Erfolgsgeschichte.
Eva Poppe, Schibri-Verlag
Die junge Autorin Eva Poppe mit ihrem Erstlingswerk „Träum gut“.  Foto: Schibri-Verlag

alt Sandra Hölscher

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Um einen neuen Kommentar zu schreiben, können Sie sich als registrierter Benutzer hier einloggen.
Falls Sie noch keinen Login haben, können Sie sich hier registrieren.
Wirtschafts-TV FORUM TV News FORUM Newsletter