Unternehmen: Werneuchener Erfolgsstory

Klebebänder aus der Scharnau GmbH finden sich in vielen Autos. Im Laufe seiner Geschichte durchlebte das Unternehmen einen unglaublichen Wandel – und gewann zuletzt den Zukunftspreis.

Wer die Werkhalle der Gustav Scharnau GmbH betritt, sieht als erstes Unmengen von Rollen. In Regalen übereinander und nebeneinander aufgereiht liegen sie da: riesige Rollen mit Klebeband in verschiedenen Farben, Größen und Materialien. Wer dabei an Tesa denkt, liegt ganz richtig. Denn die Scharnau GmbH macht 80 Prozent ihres Umsatzes mit der Verarbeitung von Klebeband der Firmen Tesa und 3M.

Anfang mit Bindfäden

Mit Bindfäden für das Verschnüren von Strohbällen oder Paketen hatte im Jahr 1914 alles begonnen. In den 60er Jahren ersetzten Klebebänder dann immer stärker die herkömmliche Verschnürung. Seit 1990 führt Matthias Schach das Unternehmen in dritter Generation und machte 1994 mit dem Umzug von Berlin-Kreuzberg nach Werneuchen aus dem Handelsunternehmen einen verarbeitenden Betrieb. „Wir sind aus Platzgründen umgezogen“, erklärt Schach, „in Berlin hätten wir nicht produzieren können.“
Zunächst wurden die Klebebänder lediglich in der Rollenbreite und in der Lauflänge verändert, aber vor sieben Jahren entdeckte Schach, was man damit noch so alles anstellen kann. Seit 2000 wird das Material mit Laser und Plotter in allen möglichen Formen zugeschnitten, mit dem Kaschierer werden klebende und nichtklebende Materialien zusammengebracht. So wird der Rohstoff entsprechend den Kundenwünschen verarbeitet und weiterverkauft. „Wir sind quasi die Tuner von Tesa und 3M“, sagt der 47-Jährige lächelnd. Zu Anfang war die Scharnau GmbH die einzige Firma in Deutschland, die diese Marktlücke füllte. Erst seit einigen Monaten ziehen auch andere Firmen nach.

Auch große Serien

Mit seinen Produkten beliefert das Unternehmen vor allem Autozulieferer; 60 Prozent ihres Umsatzes macht die Firma in Westdeutschland. „Im Gegensatz zu den Großproduzenten rechnen sich für uns schon geringe Stückzahlen“, erklärt der Fertigungsleiter und Prokurist Bernd Weger, „so können wir kurzfristig auf Sondermaße reagieren. Die großen Firmen produzieren für die Industrie ja nur Standardbreiten von 19 und 38 Millimetern.“ Zu Anfang fertigte die Scharnau GmbH vor allem für Nischenfahrzeuge wie Porsche oder Jaguar, mittlerweile aber auch größere Serien für ein Standardfahrzeug wie den 3er BMW. „Außerdem entwickeln wir Befestigungen für Prototypen“, so der Strausberger Diplom-Ingenieur weiter, „und hoffen dann natürlich, den Auftrag für die Serienproduktion zu bekommen.“
Über 100 Meter Klebeband werden in einem Auto verarbeitet. Das Unternehmen sorgt dafür, dass die verschiedenen Teile an und im Auto mit wenig Aufwand, aber sicher und haltbar angebracht werden können. „Unsere Abnehmer sparen viel Zeit in der Verarbeitung, wenn sie die Teile nicht anschrauben, sondern mit Hilfe eines Klickverschlusses sowie unserer Klebebänder montieren“, erklärt Weger. Außerdem bietet die Methode im Gegensatz zur Verschraubung Schutz vor Wasser und Vibrationen.

Neues entsteht

Je nachdem, wo sie eingesetzt werden, müssen die Klebebänder verschiedene Voraussetzungen erfüllen: So wird etwa auf einen Außenspiegel von hinten ein besonders wetterbeständiges Material aufgebracht. Der Abnehmer braucht dann nur noch die Schutzfolie abzuziehen und kann die Spiegelfläche auf die Halterung kleben. Ebenso kann mit dem Verfahren etwa der Park-Distanz-Controller an der Stoßstange befestigt oder der Schaum für die Türinnenverkleidung angebracht werden. Von der selbstklebenden Dachantennenbefestigung werden für den 7er BMW seit Oktober 2001 monatlich etwa 5000 Stück produziert. Die Klebevorrichtung für die sogenannte Haifischflosse wird in zwei Ausfertigungen produziert – für den deutschen wie für den amerikanischen Markt.
Seit 2000 liegen die jährlichen Wachstumsraten der Scharnau GmbH im zweistelligen Bereich; 2006 haben die 40 Mitarbeiter einen Umsatz von 11 Millionen Euro erwirtschaftet. Momentan sitzen Schach und Weger an ihrem Neubauprojekt: Für drei Millionen Euro, die zum Teil aus Fördermitteln stammen, entsteht im Werneuchener Gewerbepark bis zum Herbst eine neue Lager- und Produktionshalle mit modernen Maschinen.
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Mit dem Umzug kam die Expansion: Geschäftsführer Matthias Schach. Fotos: GMD/ Sergej Scheibe

alt Susanna Hoke

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