G. Meyer spricht über das richtige Krisenmanagement. Foto: W. Döll
Mit zwei umfangreichen Themen beschäftigten sich der IHK-Außenwirtschaftsausschuss und der Arbeitskreis Medien und Kommunikation bei einem gemeinsamen Workshop in Joachimsthal.
„Für ein Unternehmen ist nicht entscheidend, ob eine Krise kommt, sondern wann sie kommt.“ Gerald Meyer will mit seiner scharfen Formulierung bei seinen Zuhörern Aufmerksamkeit für Krisen und ihre Bewältigung wecken. Der aus dem Fernsehen bekannte Wirtschaftsjournalist diskutierte fast drei Stunden lang mit Unternehmern und IHK-Vertretern über richtiges Krisenmanagement. „Der beste Schutz vor Krisen ist, sich darauf gründlich vorzubereiten“, empfahl Meyer. Nicht nur Katastrophen können in Firmen Krisen auslösen. Schon ein längerer Stromausfall, eine lange Krankheit des Firmenchefs und seine dadurch bedingte Abwesenheit, ausfallende Materiallieferungen oder die schlechte Zahlungsmoral von Kunden können Krisen in Unternehmen bewirken. „Wer dann gut vorbereitet ist, meistert solche Krisen und geht gestärkt daraus hervor“, betont Meyer. Ablaufpläne für Krisensituationen müssen deshalb rechtzeitig erstellt, das Verhalten der Mitarbeiter trainiert und auch die nötigen Geräte und Materialien für Krisenbewältigungen zeitig organisiert werden.Krisen aktiv und offensiv meistern
„Eine Krise kommt immer zum falschen Zeitpunkt, aber nicht immer überraschend“, glaubt Gerald Meyer. „Krisen kündigen sich an, können bei richtiger und aufmerksamer Wahrnehmung von ungewöhnlichen Abläufen und Entwicklungen auch erkannt werden.“ Dieser Prozess funktioniere jedoch nur, wenn der Unternehmer auch zur Wahrnehmung bereit sei und seine ganze Kraft nicht allein schon für das Tagesgeschäft verbrauche. Befindet sich ein Unternehmen in einer Krise, sollte der Chef aktiv agieren und nicht passiv die Entwicklung der Ereignisse verfolgen. „Die Krise wird sonst zum Spielball der Medien und dann nicht mehr vom Unternehmen gesteuert, sondern allein von der Öffentlichkeit.“
Viele Unternehmen verschlechtern in Krisen mit einem schlechten Management ihre ohnehin schon schwierige Situation. Zu den schlimmsten Fehlern gehört dabei die fehlende Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. „Abwiegeln, scheibchenweise Eingeständnisse von ohnehin schon bekannten Fakten oder unterschiedliche Aussagen von verschiedenen Unternehmenssprechern verschärfen die Krise“, sagt Meyer. Auch die mangelnde Fürsorge für betroffene Kunden, Drohungen mit juristischen Auseinandersetzungen und die Flucht in unverständliche technische Versachlichungen tragen nicht zur Lösung von Krisensituationen bei. „Ein Unternehmen sollte in einer Krise deshalb schnell mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit gehen, nur mit einer Stimme sprechen, Fehler offen eingestehen, Verantwortung übernehmen und Lösungsansätze aus der Krise öffentlich benennen“, rät Meyer. „Je besser ein Unternehmen auf Krisen vorbereitet ist, desto besser wird die Firma auch solche Situationen überstehen.“
Krisenfreier Markteinstieg in China
„Aus reiner Neugier sind wir vor drei Jahren erstmals nach China gefahren, heute sind wir am Anfang einer überaus interessanten und viel versprechenden Zusammenarbeit“, sagt Olivia Schubert von der Firma UckerMedia. Das kleine Unternehmen aus Prenzlau produziert Dokumentar-, Werbe- und Imagefilme. Die werden inzwischen nicht nur in Europa vertrieben, sondern auch im chinesischen Fernsehen gezeigt. Mit ihren Filmproduktionen will das Medienunternehmen auch anderen Firmen den Einstieg in China erleichtern, denn der Markt dort ist auch für Unternehmen aus Ostbrandenburg überaus reizvoll. „Die Mittelschicht dort wächst, auch der Endverbraucher verfügt über zunehmend mehr Geld, ausländische Produkte sind sehr gefragt und die Chinesen sind fasziniert von technischen Geräten“, erklärt Olivia Schubert. Bei mehreren Reisen hat sie zusammen mit ihrem Unternehmenspartner Sebastian Eschenbach das riesige Land besucht und wirtschaftliche Beziehungen zu Fernsehstationen aufgebaut.
„Wir arbeiten mit Sendern in Shenzhen zusammen“, sagt Sebastian Eschenbach. Die Stadt liegt im Süden Chinas und gehört zu den Orten mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum im Land. In der Stadt und der Region leben inzwischen rund 120 Millionen Menschen. „Dort gibt es im Wirtschaftsfernsehen spezielle Sendungen, in denen Unternehmen vorgestellt werden.“ Zwei Filme von UckerMedia wurden dort bereits ausgestrahlt. Die Resonanz war auch für die Autoren überraschend. In einem Zwei-Minuten-Film wurde die Klosterbrauerei Neuzelle vorgestellt. „Anschließend interessierten sich gleich zwei Bierimporteure für das Unternehmen aus Ostbrandenburg.“ Noch mehr Nachfragen gab es nach einem Beitrag über die Frankfurter Firma Greenway. Zehn Interessenten erkundigten sich nach dem Hersteller von elektronischen Verkehrsleiteinrichtungen für Autobahnen. Mit den beiden Filmen testeten UckerMedia und ihre chinesischen Fernsehpartner die Möglichkeiten ihrer Zusammenarbeit. „Die Sendung soll nun einen festen Platz im Programm erhalten und einmal im Monat deutsche Firmen und ihre Produkte vorstellen“, erzählt Sebastian Eschenbach. Für 7.500 Euro produziert das Medienunternehmen solche Werbe- oder Imagefilme. Im Preis enthalten ist auch die Ausstrahlung des Films im Wirtschaftsfernsehen in Shenzhen sowie die mediale Nachbetreuung. Eine chinesisch und deutsch sprechende Mitarbeiterin von UckerMedia kümmert sich bei positiven Resonanzen nach der Filmsendung um die Vermittlung der Kontakte zwischen den deutschen Firmen und möglichen chinesischen Partnern.
Gemeinsamer Workshop in Joachimsthal. Foto: W. Döll
Wilko Döll

