29.05.2008
Blickpunkt: Polnischen Wirtschaftsboom nutzen

WJ Frank Philipp
Wirtschaftsjunior F. Philipp im Frankfurter Studio von BB Radio.  Foto: J. Schneider

Wirtschaftsjunior Frank Philipp rät Firmen der Region zu mehr Engagement im Nachbarland.

Die Stimme von Frank Philipp kennt fast jeder in Ostbrandenburg. Der 36-Jährige ist der Geschäftsstellenleiter von BB Radio in Frankfurt (Oder). „Ich wollte immer zum Radio und habe mich deshalb 1994 beim ersten Privatradio in Brandenburg um ein Volontariat beworben“, erinnert sich der gelernte Kaufmann. Frank Philipp wurde angenommen, durchlief alle Stationen der Radioausbildung und leitet inzwischen selbst die Geschicke des regionalen Rundfunkstudios. „Die Arbeit beim Radio macht Spaß und ist interessant, denn wir können Dinge bewegen im Sinne der Region und bestimmte Aktionen bewusst unterstützen.“ Seit Jahren gehört das Frankfurter Studio von BB Radio beispielsweise zu den Förderern der „ExistenzGründerPartner Oderland“. „Wir werden wahrgenommen als wichtiger Ansprechpartner für die Unternehmen in Ostbrandenburg und das ist für beide Seiten gut“, erklärt Philipp.

Über seine journalistische Tätigkeit wurde er auch auf die Wirtschaftsjunioren aufmerksam und schloss sich dem Kreis der jungen Unternehmer und Führungskräfte an. „Das ist ein richtig gutes Netzwerk von etwa 30 aktiven und erfolgreichen Unternehmern, da musste ich einfach mit rein“, sagt der Frankfurter. Die Kontakte und das Wissen aus den Zusammenkünften der Wirtschaftsjunioren erweitern auch seine beruflichen Möglichkeiten. Über den neuen Arbeitskreis Medien will er auch den anderen Mitgliedern des Netzwerkes helfen. „Wir möchten die Ziele der Wirtschaftsjunioren stärker in die Öffentlichkeit bringen, bestimmte Wirtschaftsthemen auch in den Medien platzieren und den Unternehmen auch bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen.“

Region ist aus dem Tal noch nicht heraus

Als Journalist verfolgt Frank Philipp die Entwicklung der Region sehr genau. „Wir sind aus dem Tal noch nicht heraus“, sagt er. „Von Bayern, Baden-Württemberg oder auch Berlin unterscheiden wir uns noch gewaltig, wir sind halt immer noch Provinz.“ Einige Entwicklungsreserven werden jedoch verschenkt. „In Frankfurt (Oder) beispielsweise wird ständig über die Förderung von Kultur, Sport und Kitas, kaum aber über die Unterstützung der Wirtschaft diskutiert“, klagt Philipp. Aus seiner Sicht werde zu wenig für die Wirtschaftsentwicklung getan und wenn etwas geschieht, werden die großen Unternehmen bevorzugt. „Aber die meisten Firmen hier haben 20 oder weniger Mitarbeiter und sollten deshalb in der Wirtschaftsförderung oder Unterstützung genauso gewissenhaft betreut werden, wie die wenigen Großprojekte.“

Polnischen Markt als Chance erkennen

Allerdings könnten auch viele Firmen aus der Region ihre eigene Lage durch mehr und bessere Aktivitäten im Nachbarland Polen verbessern. „Dort boomt die Wirtschaft, dort wird viel gebaut, dort werden Handwerksleistungen benötigt.“ Frank Philipp hat als Geschäftsstellenleiter von BB Radio mehrere große Orte in der polnischen Grenzregion besucht und den Markt dort genau beobachtet. „Viele polnische Handwerker sind beispielsweise in den vergangenen Jahren nach Westeuropa gegangen, weil es dort Arbeit gab. Die fehlen jetzt in Polen und dort müssen Firmen inzwischen lange Wartezeiten bis zur Erfüllung ihrer Aufträge in Kauf nehmen.“ Der polnische Markt werde von vielen deutschen Unternehmen der Region aber noch immer falsch sowie das Entwicklungs- und Auftragspotential unterschätzt. Viele Deutsche reduzieren das polnische Unternehmertum noch immer auf die Grenzmärkte. „Diese Märkte sind aber nach Ansicht vieler Polen nur noch Folklore für die Deutschen, Polen selbst kaufen dort kaum“, erklärt Philipp.

In den größeren polnischen Städten in Grenznähe gibt es immer mehr supermoderne und überaus attraktive Einkaufszentren. „Dort wird kein Ramsch verkauft, dort werden Einheimische und Touristen mit hochwertigen Waren und solidem Service angelockt“, erzählt Frank Philipp. Dieser neue polnische Markt ist auch für deutsche Firmen offen. Das Frankfurter Studio von BB Radio hat sich darauf bereits eingestellt. „Ein freier polnischer Mitarbeiter ist für uns im Nachbarland tätig, baut Kontakte zu Firmen auf und akquiriert dort auch Werbung für uns.“

alt Jürgen Schneider

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