Hans-Hermann Römmler zeigt eine Lautsprecherhalterung für einen deutschen Autobauer Foto: W. Döll
Ohne Kunststoffe aus Rehfelde würden viele Finalprodukte nicht funktionieren.
Hans-Hermann Römmler kann einfach nicht stillsitzen, wenn er über Kunststoffe spricht. Immer wieder springt er mitten im Gespräch auf, läuft zu einem seiner Büroschränke und kommt mit einem Kunststoffteil zum Tisch zurück. „Dieses kleine Teil gehört zu einem Zigarettenanzünder, wird von uns in millionenfacher Auflage produziert und steckt fast in jedem Auto“, sagt er mit leuchtenden Augen und hastet schon wieder zum Schrank. Alle Produkte der römmler-kunststofftechnik KG in Rehfelde kann der Firmeninhaber trotzdem nicht zeigen, denn nur eine Auswahl der 600 Erzeugnisse findet Platz in den Glasaufsätzen seines Büros.Seit fast 70 Jahren werden in Rehfelde Kunststoffteile hergestellt. „Mein Vater gehört zu den Mitbegründern der deutschen Kunsttstoffindustrie“, erklärt der Firmenchef. Hermann Römmler hat die Herstellung von Phenolharzpressmassen und den Formenbau dazu erfunden. Das Prinzip klingt für den Laien ganz einfach. Ein Granulat oder Pulver wird in eine warme Form gepresst, dann abgekühlt und fertig ist ein Kunststoffformteil. Hermann Römmler hat dafür gemeinsam mit dem Holländer Bakeland 1908 das „Druck- und Hitzepatent“ erhalten. Später gründete er in Berlin eine Firma, die er 1938 nach Rehfelde verlegte. Dem Sohn vererbte Hermann Römmler seinen Vornamen sowie das Gespür für Kunststoffe und kaufmännisches Geschick.
Kapriolen der DDR-Wirtschaftspolitik
Das benötigte der Juniorchef aber auch, um die Firma durch die Stürme der Zeiten zu bringen. An das Jahr 1972 denkt Hans-Hermann Römmler ungern zurück. „Unser Familienbetrieb wurde in der DDR enteignet und ich durfte fortan nur noch als Direktor hier arbeiten“, blickt er zurück. Allerdings huscht sofort ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er über einige Kapriolen der DDR-Wirtschaftspolitik plaudert. Die Schule in Rehfelde hatte sich damals illegal eine viel zu große Turnhalle gebaut. „Die SED-Kreisleitung ließ die Halle schließen, unser Volkseigner Betrieb musste sie dann kaufen und zur Werkhalle umwandeln.“ Über solche und ähnliche Fehlplanungen kann er heute nur noch den Kopf schütteln. In einem seiner Glasaufsätze liegt auch noch ein in Rehfelde gefertigtes Gehäuseteil für einen Radiowecker. Der sollte im damaligen Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) produziert und dann ein Schlager der Komsumgüterindustrie der DDR werden. „In die Produktion aber ging der Wecker nie, weil keine Zulieferteile aus dem Westen eingeführt werden durften. Nur die Delegierten eines SED-Parteitags erhielten einige Wecker.“
Am 1. April 1990 aber brach eine neue Zeit für die Firma an. „Unser Betrieb wurde als erstes Familienunternehmen in der DDR reprivatisiert“, sagt Hans-Hermann Römmler. Mit der Währungsunion aber brachen die Kunden weg und der Unternehmer ging Klinkenputzen. „Ich fuhr von einer Firma zur anderen und stellte unsere Produktionsmöglichkeiten vor.“ 1991 erwarb er schließlich von einer Westberliner Firma eine Fertigungsanlage für Teile von Stromzählern und übernahm damit auch gleich die Abnehmer für die Produkte. Die Qualität der Erzeugnisse aus Rehfelde stimmte und nach und nach wurden auch andere Firmen auf die römmler-kunststofftechnik aufmerksam.
Kunststoffhersteller aus Rehfelde auch im Ausland aktiv
„Wir stellen keine Finalprodukte her, aber mit den Erzeugnissen unserer Kunden werden auch unsere Teile weltweit vertrieben“, erzählt der Firmenchef. Die aus thermo- und duroplastischen Rohstoffen in Rehfelde hergestellten Formteile werden im Automobilbau, in der Sicherheitstechnik, der Stromversorgung und auch in Spielautomaten eingesetzt. Wenige Gramm schwere Präzisionsteile gehören genauso dazu, wie Serien mit einigen Kilogramm wiegenden Stücken. Große Konzerne gehören zu den Abnehmern. 40 Mitarbeiter beschäftigt Hans-Hermann Römmler am Stammsitz in Rehfelde. 80 Arbeiter stellen in einem zweiten Betrieb in Tunesien ebenfalls Formteile aus Kunststoff her. „Ein namhafter deutscher Autoausrüster hat dort einen Firmensitz und wollte, dass wir als zuverlässiger Zulieferer in seiner Nähe sind“, erklärt Hans-Hermann Römmler sein Engagement in Afrika.
„Dort stellen wir unsere Massenprodukte her, Kleinserien und Nischenprodukte entstehen hier in Rehfelde“, sagt der Unternehmer. Wie andere Firmenchefs auch ärgert er sich über die übertriebene Bürokratie in Deutschland. „Unser Wasserkopf ist zu groß, da vergammeln einfach zu viele Steuern“, sagt er ganz offen. Außerdem sind viele Abgaben und Kosten für Unternehmen in Deutschland zu hoch. „Die Kosten für eine Arbeitsstunde sind bei uns viel höher als in unseren Nachbarländern oder sonst im Ausland, das ist für die heimische Wirtschaft nicht gut.“ Für die Zukunft wünscht er sich bessere Bedingungen für die Unternehmen hier und irgendwann einen Nachfolger für seine Firma. „Ich hatte schon gute Kaufinteressenten für das Unternehmen, aber dann spielten deren Banken nicht mit“, erklärt der inzwischen 70-jährige Firmenchef. Er wird also weiterhin auf dem Chefsessel in Rehfelde sitzen, beim Gespräch mit seinen Besuchern aber immer wieder aufspringen und ihnen begeistert seine Kunststoffteile zeigen.
Wilko Döll

