30.01.2007
Blickpunkt: Ostbrandenburg erobert Dubai

Unternehmerreise Dubai Januar 2007
Brandenburger Unternehmer besuchen Geschäftsleute der "Goldgrube".   Foto: Sabine Anders

Von Badebier bis zu Autopflegemitteln – es öffnet sich ein expandierender Markt für innovative Firmen.

Keine Frage – Dubai bewegt sich. Vor allem aber bewegt die Wirtschaftsmetropole ostbrandenburgische Unternehmen. Was zunächst aussieht wie eine überdimensional große Baustelle, entpuppt sich als Goldgrube für die unterschiedlichsten Geschäftsfelder. „Die arabische Region weist ein Wirtschaftswachstum von jährlich zehn Prozent auf und die Bevölkerung wächst rasant. Sie fungiert als wichtige Drehscheibe des Nahen und Mittleren Ostens und als Sprungbrett zu anderen Weltmärkten, z. B. Indien“, sagt Sabine Anders, Leiterin International der IHK Frankfurt (Oder).

Die IHK als zuverlässiger Partner

Im Januar hatte die Außenwirtschaftsexpertin acht ostbrandenburgische Unternehmer unterschiedlichster Branchen in die Region der Superlative geführt. Mit Bildern von Palmen, Wüste, Baustellen und unternehmerischem Engagement ist die Delegation aufgebrochen - mit neuen Geschäften und Impressionen sollte sie heimkehren.

Die IHK unterstützt seit vielen Jahren die Markterschließung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – vornehmlich durch Messebeteiligungen auf der Baumesse „BIG 5 Show“ in Dubai. Doch in diesem Jahr wurde diese Initiative durch eine branchenübergreifende Unternehmerreise ergänzt. Sabine Anders: „Alle Teilnehmer waren auf den Markt vorbereitet und gespannt auf die vom Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Dubai (AHK) individuell vereinbarten Inhouse-Termine mit arabischen Interessenten."

Mit der zündenden Idee zum Erfolg

Obwohl die Region in und um Dubai ein großer Wachstumsmarkt ist, gilt es auch hier, die richtigen Lücken für die eigene Geschäftsidee zu finden. „Viele Bereiche sind einfach schon besetzt. Der Erfolg hängt vor allem vom Produkt ab“, betont Stefan Fritsche, Geschäftsführer der Klosterbrauerei Neuzelle GmbH. Bei ihm haben bereits internationale Hotelketten wie Sheraton, InterConti und Kempinski angeklopft, um die Bierspezialitäten aus dem Schlaubetal an den Arabischen Golf zu holen. „Diese waren hoch begeistert von den innovativen Biersorten aus Ostbrandenburg - vor allem am Bade-, Kirsch- und Anti-Aging-Bier ist man in der Tourismusbranche interessiert“, sagt Fritsche. Schon ab Februar 2007 wird die Klosterbrauerei attraktive Mengen in die Golfregion exportieren.

Ganz so überrascht wie der Bierbrauer aus Neuzelle war der Geschäftsführer der bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH, Fritz Georgi, von der Entwicklung in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht. Der Unternehmer wusste bereits, dass in der Region ein erheblicher Bedarf an Fachkräften im technischen Bereich vorhanden ist. Er hatte bereits vor einigen Jahren den Kontakt zu dem dortigen Delegiertenbüro aufgenommen. „Die ganze Stadt ist in Aufbruchstimmung und geprägt von einem einzigartigen Wirtschaftsboom. Es gibt unendliche Möglichkeiten, geschäftlich tätig zu werden. Es wird viel investiert, die Rahmenbedingungen stimmen einfach. Jetzt geht es darum, konkrete Geschäftsvereinbarungen zu treffen und diese umzusetzen. Die Partner wurden bereits auf der Reise kontaktiert“, meint Fritz Georgi.

Wenn der Rahmen stimmt

Dass auch wissenschaftliches Know-how aus Deutschland in den Vereinigten Arabischen Emiraten gefragt ist, zeigt der Erfolg von Manfred Seyfarth, dem Geschäftsführer der Umwelt-Geräte-Technik GmbH. Sein Team hatte bereits vor Jahren im Rahmen eines Projektes zur Grundwassererkundung seine spezielle Messtechnik an DaimlerChrysler in Dubai geliefert. Er nutzte die Unternehmerreise, um diesen Kontakt aufzufrischen und um neue zu knüpfen, so zur Universität in Al Ain und zur Bundesforschungsgesellschaft. Demnächst soll ein Wüstenlysimeter im arabischen Raum für Furore zu sorgen. Mit diesem Gerät lässt sich im staubtrockenen Wüstenboden der komplette Wasserhaushalt erfassen, ohne erst Bodenproben ins Labor entführen zu müssen. Dadurch kann u. a. die künstliche Bewässerung effektiver als bisher betrieben werden.

Mit konkreten Geschäftsanbahnungen kam die Schwedter Firma Velind Chemie GmbH aus Dubai zurück. „Wir haben schon während der Reise einen Vertrag zur Lieferung von Haushalts- und Autopflegemitteln ausgehandelt und werden ab März nach Dubai liefern. Wenn alles gut geht, rechnen wir bereits 2007 mit einem Umsatzvolumen von 300 000 Euro“, so der Geschäftsführer Horst Donth.

Alte Gesichter und neue Begegnungen

Für Norwin Wundke, Geschäftsführer der K-M-V Krane GmbH, war die Unternehmerreise eine zeitnahe Nachbereitung der während der Messebeteiligung auf der „BIG 5 Show“ im Oktober 2006 geknüpften Kontakte. „Diese Entscheidung war vollkommen richtig – die Kontakte wurden aufgefrischt und wir rechnen nun mit einem Auftrag von mindestens zwei Kranen im Wertumfang von 1,5 Mio. EUR“, so Wundke.

Aber auch Lothar Rauch, Geschäftsführer der Woltersdorf Schweißmaschinen GmbH -  er reiste eher mit einer bescheidenen Erwartungshaltung nach Dubai - war erfolgreich. So wurden Verhandlungen zur Lieferungen größerer Stückzahlen unterschiedlichster Schweißgerätetypen geführt, und er schätzt ein, dass noch 2007 mindestens 200.000 Euro Export in die Vereinigte Arabische Emirate realisiert werden.

Keine Angst vor dem Tellerrand  

Diese Erfolgsgeschichten ostbrandenburgischer Unternehmen zeigen, dass Produkte und Leistungen aus Ostbrandenburg durchaus eine Chance auf dem arabischen Markt haben. Sabine Anders: „Wir brauchen noch mehr mutige Geschäftsleute, die über den Tellerrand blicken wollen und die Unterstützung der IHK und ihrer Partner, den deutschen Auslandshandelskammern vor Ort, in Anspruch nehmen. Nicht zuletzt bietet eine Unternehmerreise mit ihrem Rahmenprogramm neben der Anbahnung von Geschäften Möglichkeiten zum Kennenlernen der fremden Kultur, und sie öffnet den Zugang zu wichtigen Ansprechpartnern und Entscheidungsträgern.“
„Eine Reise mit der IHK kann uneingeschränkt weiterempfohlen werden. Man muss weltoffen und kontaktfreudig sein und sollte interkulturelles Wissen mitbringen“, so Stefan Fritsche.

Service
Die IHK plant weitere Unternehmerreisen.
Ansprechpartnerin:
Sabine Anders
Tel.: 0335 5621-280
E-Mail: anders@ihk-ffo.de

Anders, Sabine
Sabine Anders

alt Katharina Fichtner

Kommentare

Goldgrube von Venice queen [31. Januar 2007, 12:53:31 Uhr]
Ein toller Artikel! Schön zu erfahren, dass auch ostbrandenburger Unternehmen den arabischen Markt mehr und mehr entdecken. Weiter so!
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