14.7.2008
Blickpunkt: Mediation statt Gerichtsverfahren

Claudia Vorwerg (Foto: W. Döll)
Mediatorin Claudia Vorwerg.  Foto: W. Döll

Die außergerichtliche Klärung eines Streitfalles durch Mediation schont Nerven und Kosten.

„In der Mediation geht es nicht darum, wer Recht hat, sondern wie die Streitparteien in Zukunft miteinander umgehen“, erklärt Claudia Vorwerg. Die studierte Juristin hat in Berlin ihr Centrum für Strukturwandel eingerichtet. Dort bietet sie vorwiegend mittelständischen Unternehmen ihre Hilfe als Wirtschaftsmediatorin an. Claudia Vorwerg ist begeistert von dieser besonderen Form der Konfliktlösung. „Bei einer gerichtlichen Klärung übergeben die Leute ihr Problem den Anwälten und die versuchen dann, es zu lösen.“ In solchen Auseinandersetzungen stehen sich Gegner gegenüber und es geht um die Lösung eines zurückliegenden Problems. Am Ende gibt es einen Vergleich oder Gewinner und Verlierer. Bei den meisten gerichtlichen Streitfällen wollen die Konfliktparteien nach der Auseinandersetzung nichts mehr miteinander zu tun haben.

Gemeinsam Lösung für Konflikt suchen

In der Mediation aber ist der Ansatz ein ganz anderer, denn die Konfliktparteien suchen gemeinsam nach einer Lösung. „Ich als Mediatorin bin nur ein neutraler Vermittler zwischen den Streitparteien.“ In diesem Verfahren gibt es keine Sieger und Verlierer, nur einen gelösten Konflikt. Es bleibt keine verbrannte Erde zurück. „Die ehemaligen Konfliktpartner können somit ihre wirtschaftlichen Beziehungen später fortsetzen“, betont Claudia Vorwerg. Das Verfahren der Mediation ist in vielen Fällen anwendbar. Wenn sich Lieferanten und Abnehmer über die Qualität der gelieferten Produkte streiten, wenn es Probleme mit der Mitarbeiterführung gibt, wenn sich eine drohende Insolvenz andeutet oder wenn Behörden und Institutionen für immer neuen Ärger sorgen, kann die Mediation eine Möglichkeit zur Lösung der Streitfälle sein. Für Claudia Vorwerg können mit dieser Methode fast alle Problemfälle geklärt werden. „Nur wenn bereits physische Gewalt im Spiel war, scheidet die Mediation aus.“

Das eigentliche Mediationsverfahren läuft nach festen Regeln ab. Nach der Auftragserteilung erarbeitet die Mediatorin gemeinsam mit den Konfliktparteien eine Liste der Themen, die behandelt und gelöst werden sollen. „Dabei ist es ganz wichtig, dass alle am Konflikt beteiligten Seiten gemeinsam am Tisch sitzen und sachlich ihre Sicht der Dinge darstellen“, erklärt Vorwerg. Im nächsten Schritt werden dann die unterschiedlichen Positionen und Interessen herausgearbeitet. „Dabei sollten die Streitparteien das Problem auch jeweils aus der Sicht des Anderen betrachten.“ Wenn beispielsweise ein Zulieferer seinem Abnehmer plötzlich Teile mit minderer Qualität liefert, könnte es am Kostendruck liegen. Um Geld zu sparen, verwendet der Zulieferer deshalb billigere Ausgangsmaterialien. Er senkt damit seine Kosten, gefährdet damit aber auch die Produktion seines Abnehmers. „In diesem Problem ist auch schon der Lösungsansatz vorhanden“, sagt die Mediatorin.

Kompromissbereitschaft gefragt

Die Lösung liegt immer in den unterschiedlichen Interessen der Konfliktparteien. „Also müssen wir in unseren Gesprächen Kompromisse finden, die beiden Seiten nutzen“, sagt Claudia Vorwerg. „Der Schlüssel zum Erfolg in der Mediation hängt dabei immer von der gegenseitigen Wertschätzung der Konfliktparteien ab.“ Als letzter Schritt im Mediationsverfahren wird eine Abschlussvereinbarung erarbeitet und dann von allen Beteiligten unterzeichnet. Ähnlich wie bei einem Gerichtsverfahren ist die für alle Seiten bindend.

Gegenüber juristischen Auseinandersetzungen ist das Verfahren der Mediation zur Lösung von Streitfällen aber deutlich schneller und auch preiswerter. „Schon ab einem Streitwert von 5.000 Euro ist eine Mediation günstiger.“ Das Verfahren der Mediation bietet aber noch weitere Vorteile. Zu den wichtigsten gehört sicher der Erhalt oder auch die Neugestaltung der Geschäftsbeziehungen zwischen den Konfliktparteien. Außerdem läuft die Mediation vertraulich und unter Ausschluss der Presse ab.

Auch die Kammern helfen bei der Mediation

Claudia Vorwerg wohnt in Strausberg und hat ihre Praxis in Berlin. „Von hier aus bin ich bundesweit tätig.“ Sie möchte mit ihren Angeboten zur Mediation besonders den Mittelstand unterstützen. Bei Workshops in den Kammern und in anderen Institutionen stellt sie deshalb diese Form der Konfliktlösung regelmäßig vor. Noch werden ihre Angebote mehr von Berliner als von Brandenburger Firmen genutzt. „Diese Methode muss einfach noch bekannter werden.“

Auch in den Brandenburger Industrie- und Handelskammern gibt es Angebote zur Mediation. In Frankfurt (Oder) erteilt Joachim Mai (Tel.: 0335 5621 1020) Auskünfte zur Mediation. Kerstin Poloni (Tel.: 0331 2786 279) nimmt bei der IHK in Potsdam Anfragen zur Mediation entgegen.

alt Wilko Döll

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