08.03.2007

Größte Baustelle Ostbrandenburgs entsteht in Niederfinow

Viel Verkehr auf dem Oder-Havel-Kanal
Viel Verkehr auf dem Oder-Havel-Kanal.  Foto: W. Döll

Für rund 150 Millionen Euro wird am Oder-Havel-Kanal bis 2012 ein neues Schiffshebewerk gebaut.

Die IHK Frankfurt (Oder) hatte gerufen und rund drei Dutzend Unternehmer und Kommunalvertreter waren gekommen. Im Eberswalder Technoforum informierten sie sich über den Fortgang der Bauarbeiten. In Niederfinow soll demnächst ein Koloss aus Beton das in die Jahre gekommene stählerne Schiffshebewerk ersetzen. Viel größere Schiffe als bislang können damit schnell und kostengünstig den 36 Meter großen Höhenunterschied des Oder-Havel-Kanals bei Niederfinow überwinden.

„Wenn das zurzeit laufende Ausschreibungsverfahren planmäßig verläuft, wird noch Ende des Jahres, spätestens aber im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen“, kündigte Baudirektor Johannes Siebke vom Wasserstraßen-Neubauamt Berlin an. Die bauvorbereitenden Arbeiten laufen bereits. Alte Gebäude und Pflanzungen werden gegenwärtig am künftigen Standort des neuen Hebewerkes entfernt. Zur größten Baustelle Ostbrandenburgs wird das Gelände aber erst im nächsten Jahr. Aus 70.000 Kubikmetern Beton und 6.000 Tonnen Konstruktionsstahl soll einer der größten Schiffsfahrstühle Europas entstehen. Rund 150 Millionen Euro sind für das bis 2012 geplante Bauprojekt vorgesehen.

Geringe Auftragschancen für regionale Firmen

Von diesem gewaltigen Auftragskuchen möchten auch regionale Firmen gern einige Stücke erhalten. Unternehmer fragten deshalb im Forum immer wieder nach den Möglichkeiten der Beteiligung am Riesenbau. Johannes Siebke aber dämpfte ihre Hoffnungen. „Wegen der Größe des Bauvorhabens und den erforderlichen Sicherheitsstandards für den Bau, kommen wohl nur größere Unternehmen für den Auftrag in Frage.“ Weil die Qualitätsansprüche beispielsweise an den Beton sehr hoch sind, muss ein interessiertes Bauunternehmen schon bei der Ausschreibung auch die Betonlieferung geklärt haben. Anders als bei anderen Bauprojekten können Subunternehmen nach der Ausschreibung kaum noch einsteigen.

Selbst an der Zulieferung von Rohstoffen, Kies wird beispielsweise in der näheren Umgebung von Niederfinow abgebaut, können regionale Unternehmen kaum teilhaben. „80 Prozent der Baustoffe müssen auf dem Wasserweg nach Niederfinow geschafft werden, so sieht es die Ausschreibung vor“, erklärt Johannes Siebke. Die Kiesgruben und Betonwerke der Umgebung sind aber nur per Straße mit Niederfinow verbunden, klagten die Unternehmer. Sie werden wohl bestenfalls Krümel vom großen Auftragskuchen abbekommen. „Das aber hat die Region so gewollt“, sagt der Baudirektor. „Kies ist ein Rohstoff von hier, sein Abbau hier sichert Arbeitsplätze, trotzdem hat sich die Region eindeutig gegen den Straßentransport ausgesprochen und sich nicht für die Arbeit hier stark gemacht“, betont Siebke.

Transportkapazitäten auf dem Kanal wachsen

Im IHK-Forum ging es aber nicht nur um Bauabläufe und Bauaufträge. Einige Firmenvertreter erkundigten sich auch detailliert nach den Auswirkungen des Neubaus auf die Transportkapazitäten des Oder-Havel-Kanals. „Prognosen gehen in Zukunft auf dieser wichtigen Wasserstraße zwischen Berlin und dem Ostseehafen Stettin von einem Transportbedarf von rund zehn Millionen Tonnen aus“, erklärte Baudirektor Siebke. Solche Mengen können aber nur mit modernen und größeren Binnenschiffen bewältigt werden, die aber passen nicht in den Trog des alten Hebewerks bei Niederfinow.

Der Trog des neuen Hebewerkes wird deshalb 114 Meter lang und 11,6 Meter breit sein. Die Wassertiefe darin wird vier Meter betragen. Das riesige Wasserbecken für den Schiffsfahrstuhl fällt damit deutlich größer aus als der Trog im alten Werk. „Der Trog wird außerdem so gebaut, dass wir später auch in der Höhe der Schiffe noch variieren können“, kündigte Siebke an. Das ist besonders für den Containerverkehr wichtig. Die können künftig auf den Schiffen doppelt gestapelt werden. Wenn noch einige Brücken am Kanal angehoben werden, wäre später auch ein dreilagiger Containertransport auf dem Oder-Havel-Kanal möglich.

Ein Gigant aus Beton entsteht

Die Dimensionen des neuen Hebewerkes sind gewaltig. 9.000 Tonnen wird der Trog wiegen. Zusammen mit den Gegengewichten müssen somit bei jedem Hub 18.000 Tonnen von der Antriebsanlage bewegt werden. Die geplante Maschinenanlage dafür wird eine Leistung von 1.280 Kilowatt haben. Diese und weitere Angaben zum Bauwerk und zum Bauverlauf werden ab dem nächsten Jahr in einem Informationszentrum neben dem alten Schiffshebewerk in Niederfinow erklärt. Das nämlich ist schon lange ein Touristenmagnet der Region. 120.000 Besucher pilgern Jahr für Jahr zum Hebewerk und bestaunen die ingenieurtechnische Leistung. Auch die Baustelle und das künftige Bauwerk werden die Gäste in Scharen anlocken. Die Gemeinde hat schon vorsorglich die Parkplätze für Touristen saniert.

Interessierte Baufirmen der Region müssen aber nicht auf die Fertigstellung des Informationszentrums warten. Sie werden auch künftig über die IHK Angaben zum Bauverlauf erhalten. „Nach Abschluss des Ausschreibungs- und Vergabeverfahrens wollen wir hier in der Stadt ein weiteres Forum für interessierte Firmen organisieren“, kündigte Heiner Fellmer von der IHK-Geschäftsstelle Eberswalde an.
Altes Schiffshebewerk Foto WSA Eberswalde
Das alte Schiffshebewerk bei Niederfinow. Foto: WSA Eberswalde

alt Wilko Döll

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